Big Data und Besteuerung – Wie revolutioniert Big Data das chinesische Besteuerungssystem?

Die Umsetzung des “Golden Tax III“ Projekts, welches im Jahre 2008 von der chinesischen State Administration of Taxation (SAT) initiiert wurde, hat 2016 an Fahrt aufgenommen. Dieses Projekt zielt darauf ab das IT basierte Steuerinfromationssystem zu zentralisieren um eine national standardisierte Steuerverwaltungs- und Datenverarbeitungsprozedur zu ermöglichen. Es hilft der SAT potentielle Steuerrisiken füher zu auszumachen und das Steuereinzugsverfahren effizienter zu gestalten. Darüber hinaus verbessert es die Koordinierung und Kommunikation zwischen der SAT und lokalen Steuerbehörden (LTA). Andererseits werden dadurch Steuererklärungen für Steuerzahler einfacher und durchschaubarer gemacht. Mit dem „Golden Tax III“ Projekt einhergehend ist die Verbesserung des Chinese Tax Administration Information System (CTAIS) sowie des IT basierten Umsatzsteuerverwaltungssystems. Auch wird es signifikante Auswirkungen auf die Bemessung individueller Steuerpflichten haben. Lokale Arbeitnehmer und Expats sind davon gleichermaßen betroffen. Die folgenden Paragrafen bieten eine Übersicht auf daraus resultierende Folgen um somit ein besseres Verständnis für das IT basierte Besteuerungssystem in China zu ermöglichen.

Das Umsatzsteuerverwaltungssystem

Das Umsatzsteuerverwaltungssystem besteht aus sechs Teilsystemen. Nachdem ein Verkäufer eine Rechnung ausgibt, ist er verpflichtet die Rechnungsinformationen elektronisch über das (1) invoice issuance sub-system einzugeben, von wo aus es an das (2) VAT filing sub-system übertragen wird. Während dieses Prozesses werden die Rechnungsinformationen an die Steuerbehörden übermittelt und gespeichert.
Gleichzeitig ist der Käufer verpflichtet eine Rechnungskopie an das (3) VAT e-certificate system zu senden. Sollten hier Unstimmigkeiten, wie beispielsweise eine falsche Nummer, auftreten so wird die Rechnung an das (4) invoice investigation sub-system geleitet zu weiteren Untersuchung.
Sollte es keine Unstimmigkeit geben, so gehen die Rechnungsinformationen an das (5) cross-checking sub-system, wo sie mit den Informationen der Verkäuferrechnung abgeglichen werden. Sollten dort Steuerrisiken entdeckt werden, wird der Fall an das (6) verification sub-system geleitet und im Falle einer Bestätigung des Betrugsverdachts wiederum an das (4) invoice investigation sub-system.

Im Jahre 2016 wurde die elektronische Hinterlegung von Umsatzsteuerrechnungen landesweit eingeführt. Ausgangsumsatzsteuer- oder Vorsteuerbelege müssen elektronisch archiviert werden. Hinzukommend müssen Ausgangsumsatzsteuerbelege sofort nach Ausstellung in die Umsatzsteuerinformationsdatenbank eingetragen werden, welche unter Aufsicht der SAT steht, damit LTBs einen besseren Überblick bei der Verifizierung von Rechnungen und der Verwaltung der Steuerquellen haben. Der Zahlungspflichtige der Ausgangsumsatzsteuer muss zudem seine Rechnung einer Kategorie des „Catalogue and Code of Taxable Goods and Services“ zuordnen, damit es den Steuerbehörden einfacher fällt die Steuerschuld zu berechnen und Risiken zu identifizieren. Dieses System kann auch für Vorsteuerzahler eine Vereinfachung darstellen, da zulässige Steuerzahler aus Klasse A und B (China verfügt über eine Steuergutschriftsbewertung von A – D. Die Einordnung des Steuerzahlers hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel: Produkt, Kooperation mit den Steuerbehörden, oder der zur Verfügungstellung von Informationen…) derzeit nicht verpflichtet sind eine Umsatzsteuerguthabensverifikation durchzuführen und direkt eine Rückerstattung der Steuer über das System fordern können.

Dieses System bietet für lokale und nationale Steuerbehörden ein flexibles und effizientes Instrument Steuerrisiken und jede Art von Betrug in Bezug auf Umsatzsteuerrechnungen zu identifizieren. Dazu reduziert es die Steuererhebungskosten und führt zu einem besseren Service für Steuerzahler in China.

Übersicht: Das Umsatzsteuerverwaltungssystem


Das China Tax Administration Information System (CTAIS)

Die Daten, welche über das Umsatzsteuerverwaltungssystem gesammelt werden sind integraler Bestandteil des CTAIS. Es sammelt Big Data aus allen verfügbaren Informationsquellen von Steuerzahlern in China. Neben dem Umsatzsteuerverwaltungssystem werden die Informationen aus Daten von nationalen und lokalen Steuerbehörden, Sicherheitsbehörden (PSB), Sozialämtern (SWO), Zoll, Handelsministerium (MOFCOM), Verwaltung für Industrie und Handel (SAIC), Devisenbehörde (SAFE) und weiteren offiziellen Stellen gewonnen.

Die sich daraus ergebenden Informationen werden online gesammelt und zwischen den genannten Institutionen ausgetauscht, weshalb die Daten auch digital hinterlegt werden müssen.

Das einhergende Ziel der Ausweitung des CTAIS ist die Möglichkeit zu haben, Steuerrisiken einfacher identifizieren zu können und die Steuerzahler in Echtzeit über ihre Angelegenheiten zu informieren. Zudem können lokale Steuerbehörden Unternehmen mit höheren Risiken gezielter für detaillierte Prüfungen auswählen. Folglich können chinesische Behörden ihre verfügbaren Ressourcen effizienter für Prüfungen einsetzen. Auf der anderen Seite profitieren Unternehmen mit niedrigen Steuerrisiken, indem es weniger wahrscheinlich ist zufällig für Prüfungen von den Behörden ausgewählt zu werden.

Auswirkungen auf individuelle Besteuerung

Während die “Golden Tax I + II” Projekte hauptsächlich darauf ausgerichtet waren das Umsatzsteuermeldesystem zu verbessern, zielt das „Golden Tax III“ Projekt darauf ab ein effektives Kontrollsystem aufzubauen, welches sämtliche Industrien, Steuerkategorien und Steuerzahler integriert. Unter den neuen Regularien sind Individuen bei der Erstregistrierung als Steuerzahler dazu verpflichtet weitgehendere persönliche Informationen offenzulegen. Dadurch wird den Steuerbehörden eine bessere Einsicht gewährleistet und zudem weitreichendere Möglichkeiten Individuen steuerlich zu beurteilen. Des weiteren werden die verfügbaren Daten in ein System gegeben worin sie mit denen anderer Steuerzahler abgeglichen werden, die in einer ähnlichen Industrie und Position beschäftigt sind um dadurch unverhältnismäßig hohe oder niedrige Löhne zu erkennen. Expats im Besonderen sind verpflichtet Informationen über Sachleistungen wie Wohnungszuschuss oder andere Dienstleistung zu geben. Diese Daten werden wiederum in eine nationale Datenbank gegeben, wodurch lokale Steuerbehörden abgleichen können, ob die Sachleistungen an ein Individuum marktgerecht sind.

Zusammenfassung 

Das CTAIS befindet sich im unter dem „Golden Tax III“ im Wandel. Die Digitalisierung und die Verwendung von Big Data wird in Zukunft weiter durch die SAT ausgebaut werden. Als in China tätiges Unternehmen ist es wichtig interne Kontrollsysteme in Bezug auf Umsatzsteuer, Rechnungslegung und anderen Vorschriften zu prüfen. Durch die genannten Reformen haben Behörden in China neue Werkzeuge die Einhaltung der Regularien zu überprüfen und im Falle einer Verfehlung zu sanktionieren.
Darüber hinaus ist es wichtig zu wissen, dass die Implementierung dieses System in verschiedenen Regionen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit sattfindet. Städte wie Beijing, Shanghai oder Shenzhen wenden Verfahren des „Golden Tax III“ Projekts füher an als andere Regionen. Es ist daher wichtig, sich mit lokalen Behörden bezüglich Handhabung auszutauschen.

Für weitere Informationen bezüglich interner Kontrollsysteme und Berichterstattung, können Sie gerne Sam Kung (sam.kung@cwhkcpa.com) oder Charles Jiang in Festlandchina (charles.jiang@cwhkcpa.com) kontaktieren.

© 2018 CW CPA. All rights reserved.